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学習院大学ドイツ文学会研究論集 1-19+(1997-2015) >

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タイトル: 1940 年代後半のドイツ文学におけるユダヤ人迫害描写 : ヴォルフガング・ケッペン、エリザベス・ランゲッサー、ヘルマン・カザックに見られる集団的語り
著者: 福田, 緑
フクダ, ミドリ
Fukuda, Midori
誌名: 学習院大学ドイツ文学会研究論集
号: 15
開始ページ: 53
終了ページ: 66
抄録: Der jüdische Historiker Dan Diner weist darauf hin, dass unterschiedliche Kollektive wie Völker oder Nationen auf unterschiedliche Weise den Holocaust erinnern und diese Erinnerung auf eine bestimmte Weise, in bestimmten Narrativen, ,erzählen'. In meinem Beitrag untersuche ich einige Beispiele von Holocaust-Beschreibungen in der frühen deutschen Nachkriegsliteratur. Wolfgang Koeppen, Elisabeth Langgässer und Hermann Kasack erzählen den Holocaust, so meine These, mit dem Schema der ,Natur', die den Menschen überlegen erscheint, wodurch die menschliche Schuld am Holocaust ausgeglichen und getilgt werden kann. Die Weltanschauung, durch die der Holocaust nicht mehr in den Bereich der menschlichen Verantwortung gestellt wird, wird hier als ein kollektives Narrative in der frühen deutschen Nachkriegsliteratur bezeichnet. Wolfgang Koeppen schreibt den Roman "Aufzeichnungen aus einem Erdloch" (1948) basierend auf dem autobiographischen Manuskript des jüdischen Briefmarkenhändlers Jakob Littner. Durch den Vergleich der Holocaust-Beschreibungen in Koeppens Roman mit Littners Originaltext kann man sehen, dass Koeppen den größten Teil der Passagen, in denen es um den gläubigen Charakter Littner geht, wegstreicht. An die Stelle der göttlichen Vorsehung tritt bei Koeppen die Natur; Koeppen spricht Littner einen an Naturphänomenen, wie "Sturm" oder "Regen", ausgerichteten Fatalismus zu. In diesem Roman legt Koeppen eine Verwechselung von Natur und Geschichte nahe. In der Erzählung "Wiedergeburt" (1946-49) von Elisabeth Langgässer rettet die deutsche Baronin Diana von S., die eine junge Witwe eines brutalen Ehemanns ist, einen polnischen Freiheitskämpfer namens Kasimir, der im KZ gefoltert und misshandelt wurde. Diana und Kasimir werden im Schema von ,Mann' und ,Weib' erzählt und sie begegnen sich in aller biblisch-paradiesischen Unschuld, gleichsam als Adam und Eva vor dem Sündenfall. Vor allem wird Diana, die ja eigentlich dem ,Tätervolk' der Deutschen angehört, durch die Misshandlungen ihres gewalttätigen Manns in ,Unschuld' verwandelt. Die ,Gewalt' ihres verstorbenen Mannes wird von Langgässer unter dem biblischen Aspekt als ,unerlöste Naturkraft' angesehen. Außerdem kann man die Aussage erkennen, dass Diana durch ihre ,gute Tat', nämlich die Befreiung Kasimirs, selbst ,erlöst' werden kann – und das heißt, dass sie von der unerlösten Seite der Natur zur Seite der Menschlichkeit kommen kann. Diana bekennt, dass Kasimir einen Menschen aus ihr, die "voller Haß" gewesen sei, gemacht habe. Man kann sagen, dass Langgässer historisches Geschehen – ein deutsches KZ während des Zweiten Weltkriegs, in dem polnische Freiheitskämpfer gequält werden – enthistorisiert und dass ihre religiöse Weltanschauung in Verbindung mit ihrer Betonung der ,Natur' die Grenze zwischen Täter und Opfer verwischt. Beim Roman "Die Stadt hinter dem Strom" (1947) von Hermann Kasack wird Natur für das ewige Gesetz gehalten und ,Natur' als ,Geist' sowie ,Geist' als ,Natur' vorgestellt. Diese Anschauung, den Geist als etwas Ewiges anzusehen, eröffnet die ,Ewigkeitsperspektive', in welcher ein solches Geschehen wie die historische Judenvernichtung durch die Nazis nur ein Mosaiksteinchen in einer endlosen Vernichtungsgeschichte wäre. Außerdem werden bei Kasack die Schuldigen bestraft, doch sie werden im Namen einer ewig gültigen ,Natur' bestraft. Unter dieser Weltanschauung der ,ewig-natürliche' Straf-Instanz wird die konkrete historische Frage nach den Kriegsverbrechen der Nazis nicht gestellt. Diese Textbeispiele zeigen, dass in ihnen das konkrete menschlich-geschichtliche Geschehen auf die Ebene der Natur verschoben wird. Meiner Meinung nach war diese Erzählweise des Holocausts, d.h. also den Holocaust im Schema der den Menschen überlegenen ,Natur' zu erzählen, nur für diesen bestimmten Zeitabschnitt der frühen deutschen Nachkriegsliteratur, bis etwa 1965, gültig. In den 1960er Jahren gab es Wendepunkt zu einer anderen, dokumentarischen Art der Holocaust-Thematisierung, wie dies vor allem bei Peter Weiss dann zu finden ist.
発行日: 2011-3-20
ISSN: 18817351
URI: http://hdl.handle.net/10959/1107
出現コレクション:学習院大学ドイツ文学会研究論集 1-19+(1997-2015)

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